Videoüberwachung in den Schulen

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Die Überwachung der Schulhöfe soll verhindern, dass Gebäude dem Vandalismus zum Opfer fallen. An der Gesamtschule in Beuel wurden bereits einige Sprayer beim Beschmieren von Wänden erkannt.

Seit einem Jahr blickt das Objektiv einer Videokamera auf den Schulhof. Seitdem herrscht Ruhe: kein Vandalismus, keine Einbrüche, kein Herumpöbeln, keine Gewalt mehr. Was der Gemeinschaftshauptschule in Düsseldorf Schlagzeilen auch über die Stadt hinaus einbrachte, wird in Bonn nicht öffentlich gemacht. „Es gibt Videokameras an Schulen in Bonn“, bestätigte Thomas Böckeler vom städtischen Presseamt auf Anfrage, „doch wir werden zu den Objekten keine Angaben machen.“

Vor einigen Tagen hatte die CDU Nordrhein-Westfalen gefordert, im Kampf gegen Kriminalität Schulen und Schulhöfe per Videokamera überwachen zu lassen. Bonns Schulausschuss-Vorsitzende Dorothee Paß-Weingartz spricht von „einem schlimmen Vorschlag“. Hendrik Wüst, NRW-Generalsekretär der CDU, will „den Menschen ihre Plätze zurückgeben“. Vandalismus an Schulen verursachten vor allem nachmittags enorme Kosten. Die Rektorin der Düsseldorfer Schule ist ein Jahr nach Installation vom Erfolg der Videokamera überzeugt. „Wir haben keinerlei Zwischenfälle mehr. Wir sind sehr zufrieden“, sagt Gabriele Berg. Sie hatte bei der Stadt die Überwachung beantragt; Eltern und Lehrer hatten zugestimmt. Während der Schulzeit beobachtet ein Mitarbeiter den Bildschirm, aufgezeichnet wird nur nach Schulschluss.

Kritik kommt von Paß-Weingartz: „Unsere Gesellschaft wird heutzutage immer mehr durchforstet und durchleuchtet. In der Schule soll man sich wohlfühlen und nicht von Vater Staat abgelichtet werden.“ Auch NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) lehnt schärfere Kontrollen in Schulen ab. „Es gibt hohe Datenschutzauflagen für eine Videoüberwachung an Schulen“, sagt Böckeler. An wie vielen städtischen Schulen Kameras montiert sind, konnte das Schulamt gestern nicht herausfinden.

Praktiziert wird die Überwachung am Nachmittag unter anderem an der Gesamtschule in Beuel. Dort überführte eine Videokamera bereits einige Sprayer beim Beschmieren von Wänden. „Big Brother“ auch am Kopernikus-Gymnasium in Niederkassel-Lülsdorf: Per Video wurden vor wenigen Tagen zwei Schüler identifiziert, die während einer Karnevalsfeier zehn Feuerlöscher leergesprüht hatten: in die Flure, die Klassenräume und den Computerraum. Bis zur Entdeckung der Pulverwolken war alles aufgezeichnet worden.

Die Bonner Polizei wollte sich zur Forderung der CDU nicht äußern. Sprecherin Daniela Lindemann: „Es geht um Schulhöfe, um keinen öffentlichen Raum. Das Hausrecht liegt bei der Schule und damit bei der Aufsichtsbehörde.“ Das NRW-Schulministerium verweist darauf, dass „jede Schule und jeder Schulträger selbst vor Ort entscheiden“ müssten, ob Video-Anlagen gebraucht würden. Die Stadt Bonn ist laut Böckeler der Auffassung, dass Videoüberwachung „nur eingeschränkten Erfolg bringt“. Die Täter schützten sich durch Maskierungen und seien so nur schwer zu identifizieren.

Der Direktor einer Gesamtschule in Leverkusen sieht den Einsatz des elektronischen Auges positiv. Wer sich nach dem Ende der Schulveranstaltungen dem Gebäude nähert, der wird gefilmt, nicht ohne die Stimme des Schulleiters zu hören: „Achtung, ab sofort wird aufgezeichnet. Bitte verlassen Sie umgehend das Gelände“, tönt es aus den Lautsprechern unterhalb der Kamera. Die Bilder, die acht Videokameras aufzeichnen, bekommt an der Schule niemand zu sehen - weder Lehrer noch Hausmeister. Im Ernstfall ausgewertet werden die Aufnahmen von der Stadt Leverkusen.

Dagmar Blesel

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